Wir wollten unsere Videos besser machen.

Nicht künstlicher und auch nicht inszenierter. Wir wollten einfach versuchen, unsere Erlebnisse etwas schöner zu erzählen. Aus Reisen, Ausflügen und besonderen Momenten entstanden in den vergangenen Wochen kleine Geschichten: sauber geschnitten, mit Titelbildern, Untertiteln und einem richtigen Erzählbogen.

Eigentlich waren wir überzeugt: Das müsste unseren Instagram-Account aufwerten.

Das Ergebnis hat uns dann doch ziemlich überrascht.

Ausgerechnet die Videos, in die wir besonders viel Arbeit gesteckt hatten, erreichten deutlich weniger Menschen. Teilweise kamen sie nur auf einen Bruchteil der Aufrufe, die bei uns normalerweise üblich waren.

Natürlich sind die Aufrufzahlen bei Instagram momentan generell schwieriger geworden. Auch wir merken deutlich, dass weniger ausgespielt wird als früher. Trotzdem fiel uns innerhalb unseres eigenen Accounts ein Muster auf.

Denn zwischendurch haben wir immer wieder genau das gemacht, was wir jahrelang gemacht haben: einfach das Handy genommen und gefilmt.

Michi probiert eine Jacke an. Wir stehen irgendwo vor einem Spiegel. Wir sind beim Shoppen oder unterwegs. Michi erzählt etwas, Silvio kommentiert wie so oft hinter der Kamera aus dem Off, stellt Fragen oder gibt seinen Senf dazu.

Kein Drehbuch. Kein aufwendiger Schnitt. Keine nachträglich gebaute Geschichte.

Einfach ein Moment zwischen uns.

Und ausgerechnet diese Videos erreichten wieder 8.000, 10.000 oder teilweise noch mehr Aufrufe.

Ein ganz einfacher Versuch

Unser jüngstes Video war dafür wieder ein ziemlich gutes Beispiel.

Über eine Minute lang, komplett ungeschnitten. Michi steht beim Shoppen vor der Kamera, zeigt und erzählt. Silvio filmt und kommentiert aus dem Off. Eigentlich passiert nichts Spektakuläres.

Aber genau so sind viele unserer Videos entstanden, lange bevor wir angefangen haben, uns Gedanken über Schnitt, Dramaturgie und perfekte kleine Geschichten zu machen.

Nach kurzer Zeit hatte dieses Video bereits mehr als 8.000 Aufrufe. Besonders interessant: Mehr als 70 Prozent der Zuschauer waren Menschen, die uns noch gar nicht folgten.

Gleichzeitig funktionierten auch die Reaktionen: Likes, Kommentare, Profilaufrufe und neue Follower.

Warum Instagram diese Videos offensichtlich lieber beziehungsweise weiter ausspielt, können wir nicht sicher sagen.

Vielleicht werden stark bearbeitete Inhalte vom Algorithmus anders eingeordnet. Vielleicht wollen die Menschen auf unserem Account aber auch einfach gar keine perfekt produzierten kleinen Filme sehen.

Vielleicht ist die Erklärung sogar viel einfacher.

Vielleicht seid ihr wegen genau dieser Momente hier

Denn wenn wir uns unsere erfolgreichen Videos anschauen, geht es erstaunlich oft gar nicht um eine große Geschichte.

Es geht um Michi und Silvio.

Michi steht meistens vor der Kamera. Silvio meistens dahinter. Einer erzählt etwas, der andere kommentiert. Manchmal sind wir uns einig, manchmal überhaupt nicht. Manchmal entsteht daraus etwas Lustiges und manchmal passiert eigentlich gar nichts Besonderes.

Und vielleicht ist genau das der Punkt.

Es fühlt sich nicht wie ein Film an, den wir euch zeigen.

Es fühlt sich eher so an, als würdet ihr in diesem Moment einfach mit uns durch ein Geschäft, ein Hotel, eine Stadt oder durch unseren Alltag laufen.

Dafür braucht es offenbar keinen perfekten Schnitt.

Vielleicht nimmt der perfekte Schnitt diesem Moment sogar etwas von dem, weshalb viele von euch uns überhaupt folgen.

Also machen wir Instagram wieder einfacher

Drei bereits fertig produzierte Videos haben wir noch. In denen steckt viel Arbeit und natürlich werden wir sie auch veröffentlichen.

Danach ändern wir unseren Kurs wieder.

Handy raus.
Aufnehmen.
Vielleicht vorne und hinten ein bisschen kürzen.
Hochladen.

Fertig.

Das bedeutet nicht, dass wir keine größeren Geschichten mehr erzählen wollen. Ganz im Gegenteil. Reisen und besondere Erlebnisse möchten wir künftig sogar ausführlicher und hochwertiger produzieren. Dafür sehen wir inzwischen aber eher YouTube als den richtigen Platz.

Instagram darf dagegen wieder das werden, was bei uns offenbar am besten funktioniert:

Michi vor der Kamera, Silvio aus dem Off – und ihr mittendrin.

Ungeschnitten, ungeplant und meistens genauso, wie es in diesem Moment wirklich passiert.