Kaum ein Schuh löst so schnell eine Meinung aus wie der Overkneestiefel. Für Michi ist die Sache viel einfacher: Sie trägt Overknees, weil sie ihr gefallen. Sie findet den Look schön und sexy – mehr Begründung braucht es für sie nicht.

Mal sind ihre Stiefel flach und zurückhaltend, mal haben sie eine kräftige Sohle, manchmal sind sie hoch und ganz bewusst sexy. Mode ist für Michi Ausdruck ihres Geschmacks: gefällt mir, fühlt sich gut an, ziehe ich an.

Pretty Woman sitzt noch immer mit im Raum

Der Film von 1990 hat das Bild des Overkneestiefels tief geprägt. Vivians hohe schwarze Stiefel gehören zu den bekanntesten Filmlooks überhaupt. Deshalb scheint bei diesem Schuh oft sofort eine ganze Geschichte mitzuschwingen.

Michaela in schwarzen Overknees beim Pretty Woman Musical in München
Michi beim Pretty Woman Musical in München – natürlich selbst in Overknees.
Vielleicht ist nicht der Stiefel zu viel. Vielleicht haben wir nur gelernt, bei ihm besonders schnell zu urteilen.

Ein Schuh – und sofort ein Urteil

Warum sprechen wir diese Verbindung überhaupt an? Wenn wir Bilder von Michi in hohen Overknees veröffentlichen, erscheinen darunter immer wieder anzügliche und abwertende Kommentare, die ihr Outfit mit Sexarbeit verbinden. Wir zitieren diese Beleidigungen bewusst nicht. Ich lösche sie, denn Kritik am Outfit ist erlaubt – die Herabwürdigung eines Menschen nicht.

Solche Reaktionen zeigen, wie schnell manche Betrachter aus einem Schuh eine Geschichte über die Frau konstruieren, die ihn trägt. Diese Geschichte sagt häufig mehr über ihre eigenen Vorurteile aus als über Michi oder ihre Absichten.

Für mich ist der Overknee zunächst ein wunderschönes Modeaccessoire. Ein eng anliegender Schaft zeichnet das Bein nach, ein hoher Absatz verlängert seine Linie. Diese Wirkung gefällt mir – sie gibt mir aber kein Recht, die Trägerin einzuordnen. Michi trägt den Schuh weder als Erklärung noch als Rechtfertigung, sondern weil sie sich darin gefällt und wohlfühlt.

Kinky Boots: Dieser Schuh ist für alle da

Wir haben Kinky Boots selbst in München gesehen. Die langen roten Stiefel, die Dragperformer und die Mischung aus Kraft, Humor und Lebensfreude passen wunderbar zu diesem Thema: Ein Schuh besitzt kein Geschlecht.

Hinter Film und Musical steht eine wahre Geschichte aus Earls Barton bei Northampton in England. Als die Schuhfabrik W. J. Brooks in den 1990er-Jahren wirtschaftlich unter Druck geriet, ließ Steve Pateman unter dem Namen Divine Footwear hochhackige Stiefel in größeren und stabileren Ausführungen fertigen. Eine BBC-Dokumentation machte die Geschichte bekannt; daraus entstanden der Film von 2005 und später das Musical.

Für uns steht diese Geschichte vor allem für Freiheit: Menschen bekamen endlich auffällige und belastbare Stiefel, die es in ihren Größen zuvor kaum gab. Jeder darf den Schuh tragen, der zum eigenen Stil passt.

Ein Schuh fragt nicht nach Geschlecht, Alter oder Schublade. Er muss passen – zum Fuß und zu dem Menschen, der ihn mit Freude trägt.
Michaela in schwarzen Overknees bei Nacht
Schwarze Overknees bei Nacht: ein Look mit viel Präsenz.
Michaela im schwarzen Glitzerkleid mit schwarzen Overknees
Glitzerkleid und schwarze Overknees als vollständiger Abendlook.

Sind Overknees noch in?

Ja. Modebeiträge führen sie weiterhin als wiederkehrenden Klassiker, inzwischen oft mit klareren Linien, unterschiedlichen Sohlen und bewussteren Kombinationen. Eigentlich ist die Frage für Michi aber zweitrangig: Ein Lieblingsschuh muss nicht auf seine nächste Trendwelle warten.

Drei Stiefel, drei Wirkungen: Flache Modelle in dunklem Grün wirken ruhig und elegant. Weiße Overknees mit Profilsohle sind modern und wintertauglich. Schwarze, spitze Modelle mit Absatz setzen bewusst ein sexy Statement.

Flach, hoch – Hauptsache Michi gefällt es

Die Bilder zeigen, wie verschieden derselbe Schuhtyp wirken kann. Flache grüne Modelle sind elegant und alltagstauglich, weiße Sohlen machen den Look spielerischer, hohe schwarze Overknees geben ihm mehr Präsenz. Bei Michi entscheidet nicht der Anlass, sondern worauf sie gerade Lust hat. Sie trägt Mode nicht, um etwas zu erklären, sondern weil ihr der Look Freude macht.

Michaela mit flachen grünen Overknees
Flache grüne Overknees wirken elegant und alltagstauglich.
Michaela mit weißen Overknees und flacher Profilsohle
Weiße Overknees mit Profilsohle verändern die Wirkung vollständig.

Unser Fazit

Overknees sind nicht automatisch elegant, billig oder zu sexy. Ihre Wirkung verändert sich mit Material, Absatz und Kombination – und mit dem Blick des Betrachters. Dieser Blick darf jedoch nicht bestimmen, was eine Frau tragen soll.

Michis Antwort bleibt bewusst einfach: Sie trägt Overknees, weil sie ihr gefallen, weil sie den Look schön und sexy findet und weil sie sich darin gut fühlt. Mode darf genau so unkompliziert sein.

Wie seht ihr Overknees?

Denkt ihr zuerst an elegante Wintermode, an Pretty Woman oder an einen Schuh, den ihr selbst gerne tragt? Mögt ihr sie flach oder mit hohem Absatz? Schreibt uns eure ehrliche Meinung in die Kommentare.

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Von Michaela und Silvio Hoppe

Quellen und Transparenz: Die Modeeinordnung stützt sich auf Beiträge von Vogue, Harper’s Bazaar und den Vogue-Rückblick auf Pretty Woman. Die Geschichte hinter Kinky Boots dokumentieren die Northampton Museums, die Northamptonshire Boot and Shoe History und das Smithsonian. Bilder, persönliche Erfahrungen und Wertungen stammen von Michaela und Silvio Hoppe. Der Text wurde mit KI-Unterstützung redaktionell ausgearbeitet und von Michaela und Silvio geprüft.