„Mein Schatz redet nicht so gerne.“ So beginnt unser erster gemeinsamer Podcast – und schon nach wenigen Sekunden ist ziemlich klar, wie die Rollen verteilt sind: Silvio redet, Michi hört zu und wirft im richtigen Moment einen Satz ein, der die ganze Geschichte auf den Boden zurückholt. Im Dezember 2026 sind wir 18 Jahre zusammen. Dieses Mal erzählen wir von einer Geschichte, die wir beide kennen und trotzdem unterschiedlich erinnern: dem Abend, an dem wir uns zum ersten Mal sahen.

Aus unseren allerersten Tagen gibt es nur wenige Bilder. Die beiden Aufnahmen ganz oben gehören zu diesen seltenen Erinnerungen: eine entstand auf der AIDA, die andere wenige Wochen später bei unserer ersten gemeinsamen Veranstaltung. Alle weiteren Bilder in diesem Artikel stammen aus unseren ersten gemeinsamen Monaten.

Originalgespräch · 19:12 Minuten

Unser erster Podcast: Kennenlernen

Dieser Podcast ist für angemeldete Mitglieder. Werde kostenlos Mitglied oder melde dich an, um unser vollständiges Gespräch anzuhören.

Ein Kleid, sehr hohe Schuhe und ein ziemlich schlechter erster Satz

Es war auf der AIDA in Dubai, in der Anytime Bar. Michaela stand mit mehreren Leuten an einem Tisch. Silvio erinnert sich noch an ihr mehrfarbiges, goldfarbenes Kleid, ihre dunklen Haare und die hohen Pumps. Michaela erinnert sich vor allem an den Mann, der hereinkam und schon mit seinem ersten Kommentar danebenlag.

Ein hübscher junger Mann kommt rein – mit einem blöden Kommentar. Aber schauen wir mal, was noch so kommt.

Eine Frau am Tisch kannte Silvio von einer früheren Schiffsreise und rief seinen Namen. Er kam herüber, begrüßte die Runde und bemerkte, sie sei beim letzten Mal doch mit einem anderen Mann da gewesen. Für Michaela war das der erste Satz, den sie von ihm hörte. Nicht gerade der Stoff, aus dem romantische Filme normalerweise ihren Anfang bauen.

Vielleicht lag es an dem langen Tag. Silvio war am Nachmittag mit einer Papierkarte durch Dubai gelaufen – zu einer Zeit, in der Google Maps noch nicht selbstverständlich in jeder Hosentasche steckte. „Bis zur Palme immer geradeaus und dann rechts“ klang auf der Karte einfacher, als es bei weit über 30 Grad tatsächlich war.

Michaela und Silvio gemeinsam am Abend auf der AIDA
Ein gemeinsamer Abend auf der AIDA.
Michaela während der gemeinsamen Reise auf der AIDA
Michaela während der Reise.

Dann tanzte Michi – und Silvio schaute hin

Nach dem missglückten Einstieg zog Silvio sich wieder an die Bar zurück. Michaela tanzte. Sie hatte ihn durchaus bemerkt und, wie sie im Podcast zugibt, sich sogar ein bisschen bemüht. Silvio beobachtete sie und dachte nur: Was für eine Frau. Ihr erster Eindruck von ihm war inzwischen zumindest zweigeteilt: gut aussehend, aber mit ausbaufähiger Gesprächseröffnung.

Aus diesem Blickkontakt hätte ein ruhiger Urlaubsflirt werden können. Stattdessen nahm der Abend eine Wendung, die bis heute niemand vollständig erklären kann.

Ein Blitz im Kopf – und ein ungelöstes Rätsel

Silvio wollte die Bar verlassen. Ab diesem Moment fehlt ihm ein Teil der Erinnerung. Er weiß noch von einem gewaltigen Blitz im Kopf – und dann erst wieder von Stimmen, gelbem Licht und dem Gefühl, aufwachen zu müssen. Sein Sohn Vincent war damals acht Jahre alt. Der Gedanke an ihn holte Silvio zurück.

Er lag im Schiffslazarett. Eine Wunde am Kopf musste mehrfach genäht werden, über die Stirn zog sich eine große Schürfwunde. Zwei Jugendliche hatten ihn mehrere Decks tiefer gefunden und Hilfe geholt. Wie er von der Bar dorthin gekommen war, blieb ungeklärt. Ein Sturz? Eine Treppe? Bis heute gibt es darauf keine verlässliche Antwort.

Von Deck zwölf oder dreizehn auf Deck sechs – ich weiß bis heute nicht, wie ich dort hingekommen bin.

Am nächsten Morgen brachte eine Krankenschwester ihn zurück zu seiner Kabine: Silvio im weißen Bademantel und mit Turban, sie im weißen Kittel und stützend an seiner Seite. Als die Fahrstuhltür aufging, stand ausgerechnet Michaela darin. Für Außenstehende hätte die Szene eine ganz andere Geschichte erzählen können. Michaela dachte sich nach eigener Aussage allerdings: nichts.

Michaela und Silvio gemeinsam am Meer während einer frühen Reise
Aus dem chaotischen Kennenlernen wurden gemeinsame Reisen und Erinnerungen.

Jeden Abend ein bisschen mehr

Silvio nahm sich zunächst vor, die Kabine für den Rest der Reise nicht mehr zu verlassen. Der Hunger gewann. Schon bald trafen wir uns wieder in der Bar – zunächst zufällig, dann immer regelmäßiger. Wir redeten länger, begleiteten einander zur Kabine und lernten uns ohne großes Drehbuch kennen.

Michaela bemerkte die auffällige Verletzung an Silvios Stirn übrigens lange nicht. Im Podcast verteidigt sie sich mit einem Satz, der schöner kaum sein könnte: „Ich schaue in deine Augen.“

Am 24. Dezember feierten wir gemeinsam Weihnachten auf dem Schiff. Besonders geblieben ist uns „Silent Night“, gesungen von der Crew in vielen verschiedenen Sprachen. Während Michaela Dubai mit Bus und Einkaufstaschen erkundete, fuhr Silvio Fahrrad. Am Ende half er ihr, die vielen Einkäufe und Parfüms wieder in den Koffer zu bekommen – mit vollem Körpereinsatz und einer kleinen Übergepäck-Odyssee am Flughafen.

Michaela und Silvio küssen sich während eines gemeinsamen Urlaubs
Nähe, die mit jeder Begegnung wuchs.
Michaela und Silvio küssen sich vor Palmen
Aus dem Urlaubsflirt wurde Liebe.
Michaela und Silvio gemeinsam auf einem Golfplatz
Schon in den ersten Monaten entstanden viele gemeinsame Erinnerungen.

Nach der Reise begann die eigentliche Prüfung

Nach der Rückkehr war die Geschichte nicht vorbei. Silvio fuhr zunächst wie geplant zum Skifahren nach Südtirol, Michaela verbrachte Silvester mit ihrer Freundin. Trotzdem telefonierten und schrieben wir jeden Tag. Im Januar folgte der erste Besuch.

Michaela lebte und arbeitete damals auf 67 Quadratmetern. Die Küche war zugleich Büro und voller Ordner. Wenn Silvio kam, musste daraus langsam wieder eine Küche werden – schließlich wollten wir auch etwas essen. Was nach einer kleinen Alltagsszene klingt, wurde zum Muster der kommenden Jahre: Wir machten Platz füreinander, ganz praktisch.

Acht Jahre lang führten wir eine Fernbeziehung über 367 Kilometer. Eine Woche fuhr Michaela mit Computer, Akten und vollgepacktem Auto von Zwickau nach Bad Griesbach. In der nächsten Woche fuhr Silvio die Strecke in die andere Richtung. Oft kam noch ein Besuch mitten in der Woche dazu. Bequem war das nicht. Aber die Frage, ob es uns das wert war, stellte sich offenbar nie ernsthaft. Wie unsere Beziehung nach all diesen Jahren lebendig geblieben ist, erzählen wir auch in „17 Jahre Liebe – aber keine Spur von Langeweile!“.

Michaela blickt bei einem gemeinsamen Besuch am Mailänder Dom über die Stadt
Gemeinsame Wege – hier am Mailänder Dom.
Michaela auf dem Dach des Mailänder Doms
Erinnerungen aus unseren ersten gemeinsamen Monaten.

Plötzlich waren wir eine kleine Familie

Zu Silvios Leben gehörte Vincent. Für uns war von Anfang an klar, dass seine Bedürfnisse nicht gegen unsere Beziehung ausgespielt werden. Die zwei Wohnsitze sollten bleiben, bis Vincent groß war und studierte. Michaela akzeptierte ihn nicht nur – sie kümmerte sich um ihn und wurde Teil des Familienalltags.

Beim ersten Besuch in Zwickau kam Vincent kurz aus dem Kinderzimmer, sah Michaela mit Make-up und Outfit, machte große Augen und verschwand sofort wieder. Am nächsten Morgen saßen alle gemeinsam am Frühstückstisch. Aus dem ungewöhnlichen ersten Eindruck wurde Vertrautheit.

Plötzlich hatte ich eine kleine Familie.

Vielleicht ist das der eigentliche Anfang unserer Geschichte. Nicht der erste Blick, nicht der Tanz und auch nicht der Fahrstuhl mit der Krankenschwester. Sondern die vielen Entscheidungen danach: wieder anrufen, wieder fahren, Platz schaffen, ein Kind selbstverständlich mitdenken und auch dann weitermachen, wenn 367 Kilometer zwischen zwei Küchen, zwei Büros und zwei Leben liegen.

Und Michi redet doch

Am Ende unseres ersten Podcasts sagt Michi, dass ihr das Reden darüber schwergefallen ist. Man hört trotzdem, wie viel in ihren kurzen Antworten steckt. Vielleicht braucht es manchmal keinen perfekten Podcast und keine lückenlose Erinnerung. Es reicht, wenn zwei Menschen sich gegenseitig die fehlenden Stellen erzählen.

Wir werden das wieder machen. Vielleicht redet Michi beim nächsten Mal mehr. Vielleicht redet Silvio wieder dazwischen. Ziemlich sicher werden wir uns erneut darüber streiten, wer was noch richtig in Erinnerung hat. Aber genau darin liegt etwas Echtes: Unsere Geschichte gehört uns beiden – und sie klingt erst vollständig, wenn beide Stimmen darin vorkommen.

Jetzt seid ihr gefragt

Wie seht ihr das?

Teilt eure Erfahrungen und eure Meinung mit uns und unserer Community.

Kommentar schreiben ↓