So ein Tag beginnt bei uns nicht erst am Flughafen. Eigentlich beginnt er schon in der Nacht davor – diesmal mit wenig Schlaf, einem Migräneanfall und Arbeit, die trotz aller Vorfreude noch erledigt werden musste.
Man hätte also genügend Gründe gehabt, morgens müde oder schlecht gelaunt zu sein. Aber Michi war wie immer: aufstehen, fertig machen – und gute Laune. Vielleicht ist das schon ein Teil der Antwort auf die Frage, warum solche Familienausflüge für uns kein Stress sind. Nicht, weil immer alles perfekt läuft. Sondern weil wir uns auf das freuen, was vor uns liegt.

Diese Reise begann eigentlich schon vor einem Jahr
Die Idee zu diesem besonderen Tag in Prag entstand nicht spontan. Im vergangenen Jahr waren wir mit einer kleinen Fluggesellschaft von Vilshofen nach Pula geflogen. Dabei erfuhren wir, dass man das Flugzeug samt Besatzung komplett chartern kann – und damals waren alle begeistert.
Dieses individuelle Fliegen ist natürlich etwas völlig anderes als eine normale Flugreise: kein stundenlanger Weg zu einem großen Flughafen, kein klassischer Linienflug, sondern praktisch direkt vor unserer Haustür einsteigen und gemeinsam losfliegen. Da entstand die Idee: Warum schenken wir dieses Erlebnis nicht einmal der ganzen Familie?
Natürlich kostet so etwas Geld. Aber es gibt Dinge, für die wir gerne Geld ausgeben. Materielle Dinge hat man irgendwann genug. Ein gemeinsames Erlebnis dagegen wird zur Erinnerung – und genau solche Erinnerungen begleiten uns oft ein Leben lang.


Eigentlich sollten wir mit zwei Rollstühlen unterwegs sein
Eigentlich sollte auch Michis Papa mitkommen. Dann wären wir – wie schon bei anderen Familienausflügen – mit zwei Rollstühlen unterwegs gewesen. Leider hat er sich den Flug und vor allem den heißen Tag in Prag diesmal nicht zugetraut. Er hat schweren Herzens abgesagt. Das fanden wir sehr schade; wir hätten ihn wirklich gern dabeigehabt.
Dadurch war ein Platz im Flugzeug frei. So kam Silvia mit, eine langjährige Mitarbeiterin von Michi, die uns schon lange begleitet. Auch das passte am Ende wunderbar zu diesem Tag.
Nicht alles läuft wie geplant. Aber manchmal entsteht gerade daraus ein Tag, an dem am Ende alle ihren Platz finden.
Mit Sarah über die Karlsbrücke und hinauf zum Schloss
Prag an einem heißen Sommertag ist schon zu Fuß kein Spaziergang. Mit einem Rollstuhl über Kopfsteinpflaster, über die Karlsbrücke und anschließend hinauf Richtung Prager Burg wird daraus noch einmal eine andere Aufgabe.
Aber genau hier zeigt sich für uns, was ein Familienausflug bedeutet: Es wird nicht darüber diskutiert, wer jetzt zuständig ist. Jeder packt an. Einer schiebt, ein anderer hilft an einer schwierigen Stelle, jemand sucht den besten Weg. So war Sarah nicht einfach nur „dabei“, sondern konnte den Tag genauso erleben wie wir anderen.


Wir möchten nicht irgendwo stehen und sagen: Das geht mit dem Rollstuhl leider nicht. Wenn es irgendwie machbar ist, überlegen wir lieber: Wie bekommen wir es hin? Und meistens bekommt man erstaunlich viel hin, wenn mehrere Menschen gemeinsam anpacken.
Wir wollten Prag erleben – und nicht abarbeiten
Natürlich haben wir uns einiges angesehen: die Karlsbrücke, die Prager Burg und die Stadt von oben. Zwischendurch durfte auch die kulinarische Seite Prags nicht fehlen. Das legendäre Prager Tatar musste genauso sein wie ein Trdelník, der bekannte Baumstriezel.
Und dann entstehen diese kleinen Momente, die vorher niemand planen kann. Auf der Karlsbrücke ließ sich Sarah porträtieren. Eigentlich nur eine Episode dieses Tages – aber wahrscheinlich genau eine dieser Geschichten, über die wir später noch sprechen werden.

Das ist für uns viel wichtiger, als möglichst viele Sehenswürdigkeiten von einer Liste abzuhaken. Wir wollen einen Ort erleben. Und wir wollen ihn gemeinsam erleben.
Michi in Gelb – ein Look, den Prag nicht übersehen konnte
Natürlich gehört zu unseren Erinnerungen an diesen Tag auch Michis Outfit. Sie trug Dolce & Gabbana in Gelb und Weiß – von der markanten Sonnenbrille über den gemusterten Rock bis zu den Sandalen. Dazu diese kleine Tasche, bei der selbst wir nicht wissen, ob sie eigentlich noch Tasche oder schon ein kleines Kunstwerk ist.
Warum empfinden wir das alles nicht als Stress?
Früh aufstehen. Wenig Schlaf. Migräne in der Nacht. Arbeit. Eine größere Familie koordinieren. Flug. Rollstuhl. Hitze. Kopfsteinpflaster. Viele Menschen. Unterschiedliche Geschwindigkeiten und Bedürfnisse. Nüchtern betrachtet ist das eine ziemlich lange Liste möglicher Stressfaktoren.
Natürlich muss ein solcher Tag organisiert werden. Aber Organisation ist für uns nicht automatisch Stress. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass wir anschließend gemeinsam etwas erleben können. Wir konzentrieren uns nicht darauf, was anstrengend werden könnte. Wir sehen das, was wir dafür bekommen: gemeinsame Zeit.


Und plötzlich war der Tag schon wieder vorbei
Gefühlt waren wir gerade erst in Vilshofen ins Flugzeug gestiegen – und schon saßen wir wieder im Auto Richtung Prager Flughafen. Dort wartete mit der Abfertigung über Terminal 3, dem Privat- und General-Aviation-Terminal, noch einmal ein Erlebnis, das für die meisten von uns nicht alltäglich ist.


Kleine Details, große Erinnerung
Prag bleibt nicht nur auf den großen Bildern
Es bleibt auch in einer Sonnenbrille auf der Fensterbank, in einem Blick auf die Flugroute, in einem besonderen Raum und in einem Moment, über den später garantiert wieder gelacht wird.
Irgendwann gibt es diese Tage nicht mehr
Eltern werden älter. Wir selbst werden älter. Gesundheit und Lebenssituationen verändern sich. Dass Michis Papa diesmal schweren Herzens abgesagt hat, zeigt uns genau das: Man kann nicht automatisch davon ausgehen, dass man einen gemeinsamen Ausflug irgendwann einfach nachholt.
Dieses „irgendwann“ ist nicht selbstverständlich. Deshalb bekommen solche Tage für uns mit zunehmendem Alter einen immer größeren Wert. Ist es dann wirklich wichtig, wenn etwas zehn Minuten länger dauert, ein Programmpunkt ausfällt oder wir einen Rollstuhl gemeinsam einen Berg hinaufschieben müssen? Nein. Denn am Abend bleibt etwas völlig anderes: Wir haben diesen Tag miteinander verbracht.
Freude schenken ist etwas Wunderbares. Aber gemeinsame Erinnerungen zu schenken, ist vielleicht noch viel schöner.
Vielleicht ist genau das Glück
Natürlich haben wir jetzt Hunderte Bilder und Videos. Michi komplett in Dolce & Gabbana. Gelb von der Sonnenbrille bis zu den Sandalen. Diese kleine Tasche, bei der selbst wir nicht wissen, ob sie eigentlich noch Tasche oder schon ein Kunstwerk ist. Sarah auf der Karlsbrücke. Unsere Familie am Flugzeug. Prag von oben. Und viele kleine Momentaufnahmen dazwischen.
Aber das Wertvollste dieses Tages befindet sich auf keiner Speicherkarte. Es ist die gemeinsame Erinnerung. Bei irgendeiner Familienfeier wird garantiert jemand sagen: „Wisst ihr noch damals in Prag …?“ Und dann werden Geschichten erzählt.
Genau deshalb sind solche Tage für uns kein Stress. Sie kosten Organisation. Sie kosten Kraft. Und ja, in diesem Fall haben sie auch einiges an Geld gekostet. Aber dafür bekommt man etwas, das man später nicht mehr kaufen kann: gemeinsam verbrachte Lebenszeit.
Und offenbar hat Prag uns schon auf die nächste Idee gebracht. Während dieser Ausflug gerade erst vorbei ist, überlegen wir bereits, wohin die nächste gemeinsame Reise gehen könnte. Für nächstes Jahr wird jedenfalls schon geplant.
Jetzt seid ihr gefragt
Wie ist das bei euch?
Sind Familienausflüge für euch eher anstrengend – oder sind es genau diese Tage, über die ihr Jahre später noch gemeinsam sprecht?
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